Johannes Gutenberg –
Begründer der
abendländischen
Typografie
© Jürgen F. Schopp
Universität Tampere (Finnland)
2002 (2. Version; 1. Vers.: 1998)
Aktualisiert: 12. 10. 2002
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L E B E N S D A T E N
- um 1397 in Mainz unter dem Namen Henne Gensfleisch
zur Laden als Sohn des Patriziers
Friele Gensfleisch und dessen Ehefrau Else Wirich im »Hofe
zum Gutenberg« geboren
- um 1428 wandert G. aus Mainz aus
- 1430 erstmals urkundlich erwähnt
- 1436 Ennelin von der Iserin Tür verklagt
Gutenberg.
vor dem Rat der Stadt Straßburg wegen eines
Eheversprechens, das er ihr gegeben haben soll
- Erste Druckversuche in Straßburg
- 1439 Straßburger Prozeß wegen Kreditschulden
- 1444 zahlt Gutenberg zum letzten Mal Steuern in Straßburg
- 1448 Gutenberg ist urkundlich in Mainz nachweisbar
- 1450 Gutenbergs Vertrag mit Fust über Einrichtung
und Finanzierung einer Werkstatt
- 1454/55 Druck des 30zeiligen Ablaßbriefes (»Türkenablaß«
– erste politische
Druckschrift) zur Abwehr der Türken von Zypern (wahrscheinlich in Gutenbergs
Werkstatt)
- 1452-1455 Druck der
42zeiligen Bibel (Auflage ca. 180
Exemplare – Abb. unten); Fusts Prozeß gegen Gutenberg; Übernahme
von Gutenbergs Druckerei durch Fust und dessen Schwiegersohn Peter Schöffer,
Gutenbergs Gehilfe und Mitarbeiter
- 1460 Druck des Catholicon – wahrscheinlich
durch Gutenberg –, ein mit kleinen Lettertypen gedrucktes lateinisches
Lexikon
- 1462 Einnahme und Zerstörung von Mainz durch
Adolf
von Nassau (Ausbreitung der Buchdruck-Kunst)
- 1465 Gutenberg wird Hofmann des Kurfürsten von Mainz
(Erzbischof Adolf von Nassau)
- 1468 Gutenberg stirbt am 3. Februar und
wird in der Mainzer Franziskaner-Kirche begraben.
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Johannes
Gutenberg ist streng genommen nicht der Erfinder der Buchdruckkunst an
sich – gedruckt wurden Bücher im Mittelalter schon vor ihm, sogenannte
Block-bücher, bei denen Bild und Text in Holzplatten geschnitten waren.
Allerdings hatten sie einen Nachteil: aufgrund des Materials war die Wiedergabequalität
begrenzt und reichte nicht an die handgeschriebenen Codices heran. Gutenberg
versuchte beides miteinander zu verbinden: die quantitative Vervielfältigung
durch den Druck mit der ästhetischen Ausführung der Handschrift.
Er wollte auf einen Zug möglichst viele Bücher herstellen, die wie perfekt handgeschrieben aussehen sollten. Kern seiner Erfindung ist
ein Handgußgerät, mit dem er die große Zahl von Lettern
gießen konnte, die der Druck erforderte: mehr als 3700 verschiedene
Lettern waren notwendig, um eine Seite seiner 42zeiligen Bibel zu drucken
(die ganze Bibel umfaßt zusammen 1280 Seiten). Außerdem brauchte Gutenberg für die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets 290 verschiedene
Typen, um alle Eigenheiten der (professionell hergestellten) Handschriften
wiedergeben zu können. Neben der Legierung für den Letternguß
erfand er das nötige Handwerkszeug zum Setzen wie auch die Druckfarbe
für seine Vervielfältigungstechnik – und nicht zuletzt konstruierte
er eine Druckpresse nach dem Vorbild der rheinischen Weinkelter. Gutenberg
war also Schriftgießer, Schriftsetzer und Buchdrucker in einer Person
– Schöpfer einer Methode, die Kultur und Gesellschaft in einem Umfang
verändert hat, wie wir es erst im Computerzeitalter wieder erleben.
Kein Wunder, daß einer seiner Jünger, Mark Twain, der in
seiner Jugend Schriftsetzer lernte, ihn zu den
Schöpfern dieser Welt – nach Gott – rechnet (Ein Yankee am Hofe
des Königs Artus, Kap. 33).
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