| Für
den Übersetzer wird der Faktor assoziative Wirkung der Schrift
spätestens dann aktuell, wenn eine bestimmte Schrift kulturspezifisch
für bestimmte Inhalte verwendet wird. Im deutschsprachigen Kulturraum
ist das der Fall bei den gebrochenen Schriften (insbesondere der Fraktur),
wenn sie für Textelemente verwendet werden, die sich politisch auf
die Thematik »deutsch, Deutschland« beziehen. In solchen Fällen wird
typogrfaische Schrift zum primären Zeichensystem, indem sie dem Text
Bedeutungsinhalte hinzufügt, die nicht verbalisiert zu werden brauchen. |
Im Beispiel
zeigt die Überschrift »saksaksi« (auf Deutsch) dem finnischen
Leser, daß dieser Artikel davon handelt, wie man sich bei Geschäftsverhandlungen
und auf Geschäftsreisen in Deutschlandbzw. im Kontakt mit Deutschen
benehmen sollte. In den beiden anderen Textauszügen (Spiegel-Titel
vom 18. 12. 1989 und ein Flugblatt gegen Ausländerfeindlichkeit aus
dem Jahr 1992) wird durch die Darstellung bestimmter Textelemente in gebrochener
Schrift der Text sowohl sprachlich als auch typografisch kodiert (vgl.
Jegensdorf 1980): der Spiegel-Titel unterstreicht durch die Frakturschrift
die verbale Aussage, indem er auf die Zeit verweist, als diese Schrift
in einem Deutschland verwendet wurde, das seine Nachbarn in zwei Weltkriege
verwickelt hat; der gotische Schrifttyp bei »diesen Deutschen«
schränkt den Bedeutungsumfang der beiden Wörter auf »rechtsextreme
Randalierer« ein, die häufig Schriften dieser Art als Ausdruck
ihrer politischen Gesinnung verwenden. Das letzte Beispiel zeigt auch,
daß Laien die unterschiedlichen gebrochenen Schriftarten (Gotisch,
Schwabacher, Fraktur) kaum voneinander unterscheiden können. |