Schrift:
assoziative Wirkung (2): Kulturspezifik

© Jürgen F. Schopp
Universität Tampere (Finnland)
2002 (2. Version; 1. Version: 1998)
Bearbeitet: 4. 9. 2002

Für den Übersetzer wird der Faktor assoziative Wirkung der Schrift spätestens dann aktuell, wenn eine bestimmte Schrift kulturspezifisch für bestimmte Inhalte verwendet wird. Im deutschsprachigen Kulturraum ist das der Fall bei den gebrochenen Schriften (insbesondere der Fraktur), wenn sie für Textelemente verwendet werden, die sich politisch auf die Thematik »deutsch, Deutschland« beziehen. In solchen Fällen wird typogrfaische Schrift zum primären Zeichensystem, indem sie dem Text Bedeutungsinhalte hinzufügt, die nicht verbalisiert zu werden brauchen. Im Beispiel zeigt die Überschrift »saksaksi« (auf Deutsch) dem finnischen Leser, daß dieser Artikel davon handelt, wie man sich bei Geschäftsverhandlungen und auf Geschäftsreisen in Deutschlandbzw. im Kontakt mit Deutschen benehmen sollte. In den beiden anderen Textauszügen (Spiegel-Titel vom 18. 12. 1989 und ein Flugblatt gegen Ausländerfeindlichkeit aus dem Jahr 1992) wird durch die Darstellung bestimmter Textelemente in gebrochener Schrift der Text sowohl sprachlich als auch typografisch kodiert (vgl. Jegensdorf 1980): der Spiegel-Titel unterstreicht durch die Frakturschrift die verbale Aussage, indem er auf die Zeit verweist, als diese Schrift in einem Deutschland verwendet wurde, das seine Nachbarn in zwei Weltkriege verwickelt hat; der gotische Schrifttyp bei »diesen Deutschen« schränkt den Bedeutungsumfang der beiden Wörter auf »rechtsextreme Randalierer« ein, die häufig Schriften dieser Art als Ausdruck ihrer politischen Gesinnung verwenden. Das letzte Beispiel zeigt auch, daß Laien die unterschiedlichen gebrochenen Schriftarten (Gotisch, Schwabacher, Fraktur) kaum voneinander unterscheiden können.

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