Ausgleichen:
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| Die einzelnen Zeichen des lateinischen Alphabets, die Buchstaben, sind jeweils für sich Individuen, Verkörperungen und Kombinationen unterschiedlicher geometrischer Formen – das O realisiert sich nach dem humanistischen Formprinzip als Kreis, das A als Dreieck usw. Im Wort nun sollen diese Individuen eine Einheit bilden, sich in das Gesamt des Wortbildes einordnen. Das ist der Fall, wenn sie optisch im gleichen Abstand zueinander stehen. Nun gibt es einige sog. »kritische Buchstabenverbindungen« (Spiekermann 1986; da Buchstabenverbindungen Ligaturen sind wäre es besser, hier von Buchstabenbegegenungen zu sprechen), die – besonders in Schaugrößen – aufgrund der Buchstaben-formen optisch mehr Leerraum zeigen als andere (1. obere Zeile). Ganz besonders ist dies der Fall bei Kombinationen von Großbuchstaben bzw. Aufeinandertreffen bestimmter Großbuchstaben mit Kleinbuchstaben. In manchen Fällen muß dann der Abstand verringert (LA, LT, LW, Ta, Vo etc.), in anderen Fällen wieder vergrößert werden (IN, IM, NE etc.). Diese Angleichung der Buchstabenzwischenräume nennt der Typograf Ausgleichen. Der professionelle Computersatz hat sog. Ästhetikprogramme zur Verfügung, die für den Ausgleich mittels Kerning (Unterschneiden) sorgen. Auch DTP-Programme bieten in der Regel die Möglichkeit zum Kerning, doch ist das Ergebnis nicht immer befriedigend, da einmal automatisch nur unterschnitten – also verringert – wird und zweitens die vorgegebenen Werte nicht unbedingt optimal sind. | Beispiel
(1) zeigt in der oberen Zeile Buchstaben-begegnungen ohne Kerning, in der
unteren Zeile mit automatischem Kerning. (2) zeigt eine ganze Textzeile,
ohne Kerning und mit normaler Laufweite. Bei (3) ist das Kerning hinzugeschaltet.
Wir erkennen schon, daß die Laufweite nicht ausreicht, die Buchstaben
sitzen zu dicht aufeinander, deshalb ist in (4) der gesamte Text etwas
mehr spationiert; in (5) sind zusätzlich noch die Buchstabenabstände
FI, HE, UNG manuell etwas vergrößert. In dieser Zeile sollte
der Text als gleichmäßiges graues Band wirken. Ein solcher Aufwand
lohnt sich allerdings nur bei großen Schriftgraden und anspruchsvollen
Drucksachen (wie Urkunden, Titelseiten von Büchern u.ä.) Die Hervorhebung von Textelementen im DTP durch Versalien oder Pseudokapitälchen ist schon deshalb nicht optimal, weil Versalsatz immer eine größere Laufweite erfordert als bei gemischtem Zeichensatz (Groß- und Kleinbuchstaben) und deshalb prinzipiell immer etwas von Hand spationiert werden müßte. Die Übersetzung in DTP-Programmen von engl. „kerning“ mit dt. „Ausgleichen“ ist also nicht ganz korrekt und nur dadurch zu verstehen, daß durch „kerning“ (= Unterschneiden) bei manchen Buchstabenpaaren eine Art optischer Ausgleich zustandekam. |