Durchschuß
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| Ein Text
besteht in der Regel aufgrund seiner Länge aus mehreren oder einer
Vielzahl von Zeilen. Diese Zeilen müssen voneinander so abgegrenzt
sein, daß die Zeilenabstände größer wirken als die
Wortabstände: »Die Seite muß sich zunächst in Zeilen
gliedern, dann erst in Worte und Buchstaben.« (Luidl 1989). Im Bleisatz war der Durchschuß (1) etwas anderes als der Zeilenabstand. Ersterer wurde zum Schriftkegel in Form von dünnen Bleistücken (sog. Regletten), die ebenso lang waren wie die Zeile, hinzugefügt; letzterer ist der Abstand von Schriftlinie zu Schriftlinie (2). Im Fotosatz spricht man von Vorschub. Die Schriftlinie ist die Grundlinie des lateinischen Schrift- systems, auf ihr »steht« der größte Teil unserer Buchstaben (alle Versalien, die Großbuchstaben, sowie alle Gemeine, die Kleinbuchstaben, ohne Unterlänge). Im Desktop-Publishing wird – als Übersetzungsfehler? – sogar von »Zeilendurchschuß« gesprochen (VenturaPublisher, deutsche Version), bei Word für Windows 2.0 heißt es gar »Zeilenhöhe« – gemeint ist aber in beiden Fällen der (typografische) Zeilenabstand. Unter Durchschuß versteht der Typograf den Raum (gemessen in Punkt), der zwischen die Zeilen eingefügt wird. Bei einer Schriftgröße von z.B. 10 Punkt werden 2 oder 3 Punkt als Durchschuß hinzugefügt, andernfalls ist der Text »kompreß« gesetzt, was bei großen Textmengen der Lesbarkeit nicht gerade förderlich ist. Der Durchschuß richtet sich nach der Funktion des Textes: bei rein informativen Texten und Belletristik wird die Lesbarkeit im Vordergrund stehen. Unter diesem Aspekt sollte der Durchschuß bei Zeilen in Lesegrößen 1-4 Punkt betragen (Rehe 1981), also etwa ein Viertel der Schriftgröße. Das ist selbstverständlich nur ein Mittelwert, da die Größe des Schriftbildes (Proportionen von Mittel- und Ober-/Unterlänge) und die Schriftstärke mitberücksichtigt werden müssen. »Stärkere Schriften mit kleineren Innenräumen benötigen weniger Zeilenabstand als lichte.« (Luidl 1989). |
Bei Büchern
mit bewußt expressiver typografischer Gestaltung, bei denen großer
Wert auf die äußere Form gelegt wird oder auch bei Werbeanzeigen
kann weit gehaltener Durschuß als Kontrastmittel zur Anwendung kommen
(»splendider Satz«). Bei Zeilen in Schaugrößen gelten wieder andere Regeln. Hier muß zuweilen – wie bei mehrzeiligen Überschriften oder Buchtiteln – von der Regel abgewichen werden,daß sich Ober- und Unterlängen zweier Zeilen nie berühren dürfen (vgl. Spiekermann 1986). Würde man Überschriften im gleichen Verhältnis wie beim Grundtext durchschießen, würde der inhaltliche Zusammenhang des Textes zerstört und die Überschrift in einzelne Zeilen zerfallen. Hier bedeutet das Medium DTP eine wesentliche Verbesserung der Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber dem Bleisatz, da problemlos auch ein negativer Wert als Durchschuß gewählt werden kann, indem der Zeilenabstand kleiner ist als der Schriftgrad. Dies war im Bleisatz unmöglich, da der Schriftkegel normalerweise nicht unterschnitten werden konnte und somit eine optisch befriedigende Lösung nur auf kost- spieligen Umwegen über die Herstellung eines Klischees zu erreichen war. In Fällen, wo die Zeile keine Unterlängen enthält und bei Texten in Großbuchstaben muß u.U. sogar der Zeilenabstand kleiner sein als der Schriftgrad, soll das Ergebnis das Auge zufriedenstellen. Es gilt beim typografischen Gestalten die Maxime: Augenmaß, nicht Metermaß! |