Die Laufweite© Jürgen F. Schopp |
(Hier wird irgendwann einmal eine Abbildung eingefügt) |
| Laufweite
(beim Fotosatz hieß es Zurichtung) bezeichnet fachsprachlich den
im gesamten Satz konstant gehaltenen Buchstabenabstand. Der Begriff darf
nicht mit dem charakteristischen Breitenlauf bzw. der Alphabetbreite einer Schrift oder
eines Schriftschnitts gleichgesetzt werden, denn Laufweite ist keine fixe
Größe, sondern sollte sprach-, schriftgrad- und schriftschnittspezifisch
eingerichtet werden.
Die Laufweite entscheidet mit über die Lesbarkeit des Textes. Sie hängt von vielen Faktoren ab: dem Charakter der Schrift, ob das Buchstabenbild normal, schmal oder breit, fett oder mager ist (»Die Buchstabenabstände sind eine Funktion der Buchstaben-Innenräume. Je kleiner die Innenräume, desto kleiner die Abstände, je größer die Abstände, desto größer die Zwischenräume.« Hochuli 1987, 25), der Schriftgröße und der Textmenge, der Zeilenlänge und dem Zeilenabstand. Ist sie zu gering, gehen die Buchstaben ineinander über und können vom Auge nicht mehr identifiziert werden (1). Eine zu große Laufweite andererseits erschwert das Erkennen von Wortbildern, besonders dann, wenn der Wortabstand im Verhältnis zur Laufweite zu gering ist, die Wörter gehen dann ineinander über (2). Textteile in Großbuchstaben (Versalien und Kapitälchen) sollten nicht mit der normalen Laufweite (3) gesetzt sein, sondern etwas gesperrt (4) werden. |
Gerade
beim Desktop-Publishing läßt sich häufig beobachten, daß
der Normalwert für die Laufweite schon vom Software-Hersteller zu
gering gewählt wurde (5). Die Ursache mag mit im angloamerikanischen
Ursprung der DTP-Produkte zu suchen sein: bei Sprachen mit durchschnittlich
kurzen Wörtern genügt eine geringere Laufweite.
Beispiel (6) zeigt den gleichen Text, diesmal aber ist die Laufweite um 0,04 Geviert-Werte erweitert, was gerade bei dieser Schrift, der Avant Garde, zu empfehlen ist. Als katastrophal für den Leseprozeß muß eine häufig verwendete Option der Software-Programme, manchmal Letter-Spacing genannt (ich spreche auch von automatischem Zeilenfüllen; Frick (1997) spricht von erzwungenem Blocksatz) angesehen werden. Dadurch entsteht für jede Zeile eine andere Laufweite, was zu einem unruhigen, uneinheitlichen Textbild und vor allem bei schmaler Zeilenbreite zu Pseudosperrungen führt (7). |