Ausrichtung der Zeilen:
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| Eine Vielzahl
von Zeilen ergibt eine Spalte oder eine Kolumne. Dabei können alle
Zeilen die gleiche Länge haben oder die Zeilenlänge
kann variieren. Ein zweites Kriterium ist die Ausrichtung der Zeilenanfänge
und Zeilenenden (gleiche optische Fluchtlinie oder „versetzt“). Und schließlich
können die Zeilenanfänge oder -enden anderen Formen (z.B. denen einer
abgebildeten Figur) folgen und
eine Art Silhouette ergeben.
Sind alle Zeilen von gleicher Länge, sprechen wir von Blocksatz (1). Luidl (1988) spricht von »Erzählform«, da diese Satzart besonders für lange Texte geeignet ist. Blocksatz erreichen wir durch variablen Wortabstand (Ausschließen) und Trennungen am Zeilenende. Für kurze Zeilen-breiten ist er ungeeignet, da die Wortabstände proportional zu groß werden und den horizontalen Textverlauf zerreißen. Dadurch können auch vertikale Weißräume entstehen, einer Flußlandschaft vergleichbar (engl. river of white). Deshalb sollte beim Blocksatz die Zeile durch-schnittlich 8 Wörter enthalten. Das heißt dann letzten Endes, daß die optimale Zeilenlänge von Sprache zu Sprache verschieden ist (sprach-spezifisch festzulegen ist). Außerdem ist die Textsorte zu berücksichtigen: Während für deutschsprachigen belletristischen Satz im allgemeinen eine Zeichenmenge von 50–60 als optimal gilt (Willberg/Forssman 1997: 60–70 Zeilen), kann diese bei wissenschaftlichen Publikationen bei ausreichendem Zeilenabstand bis zu 80 Zeichen betragen (Willberg/Forssman 1997). Bei variabler Zeilenlänge können wir drei Arten
unterscheiden:
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1. Flattersatz linksbündig (2): Eine Satzform,
bei der sich kürzere und längere Zeilen innerhalb einer bestimmten
Bandbreite abwechseln und ein harmonisches Ganzes ergeben. Die einzig sinnvolle
Satzart bei kurzer Spaltenbreite. Er findet sich in drei Ausführungs-
bzw. Qualitätsstufen (vgl. Hochuli 1987):
a) als Rauhsatz, mit Trennungen und ungefähr gleicher Textmenge wie beim Blocksatz; ästhetisch ist der Rauhsatz aber unbefriedigend, da es häufig zu »Treppenbildung« der Zeilenausgänge kommt; b) als korrigierter Rauhsatz, mit möglichst wenigen, dann aber sinnvollen Trennungen; um einen dynamischen Zeilenfall zu erhalten, ist auch beim DTP ein gut Teil Handarbeit vonnöten (vgl. Siemoneit 1989); c) als Flattersatz ohne Worttrennungen bei genügend großer Zeilenlänge. Allerdings werden bei Komposita zuweilen Kompromisse nötig sein (2). 2. Flattersatz rechtsbündig (3): findet vor allem für Überschriften und Bildtexte Verwendung. 3. Flattersatz mitte (4), auch symmetrischer oder axialer Flattersatz: Diese von Luidl »Zierform« genannte Satzart ist vor allem für repräsentativ-dekorative Texte wie Buchtitel und Urkunden, aber auch für Überschriften in Verbindung mit Blocksatz beim Grundtext geeignet. Die häufig beim DTP zu beobachtende Verwendung mit links-bündigem Flattersatz ist unprofessionell – eine rein arithmetische Nutzung von Computervorgaben, nicht aber eine optisch sinnvolle, gestalterische Lösung, da durch die Flatterzone der optische Satzrand nach links verschoben wird, die Überschrift also nur „in sich“ zentriert ist. —— Neben diesen Satzarten finden sich weitere, weniger häufig genutzte Möglichkeiten (ohne Abbildung): 4. Silhouetten- oder Formensatz, bei denen die Zeilenanfänge- oder Enden prinzipiell wie bei Blocksatz nicht frei variieren, sondern sich einer vorgegebenen Form (z.B. Bild, Figur) anpassen. 5. „Versetzter Blocksatz“, wenn bei konstanter Zeilenlänge aufeinanderfolgende Zeilen gegeneinander „versetzt“ angeordnet werden (beim Bleisatz kein Problem, im DTP schwer durchführbar). 6. Freier Zeilenfall: Hier variieren sowohl Zeilenlänge als auch Zeilenbeginn und -ende, wobei ein dynamischer Zeilenfall angestrebt wird. Vor allem in der Werbetypografie anwendbar. |