Proportionen:
Der Goldene Schnitt

© Jürgen F. Schopp
Universität Tampere (Finnland)
2002 (2. Version; 1. Vers.: 1998)
Aktualisiert: 4. 9. 2002

Beim Goldenen Schnitt handelt es sich um ein Gesetz zur Erzielung harmonischer Proportionen. Er kommt sowohl in der Natur vor (Hahnenfußblatt, Schachtelhalm und Eichenblatt) als auch in Kunst und Architektur (Platons Timaios, Kap. 7; Parthenon in Athen; alte Petersbasilika; der Modulor von Le Corbusier).
Dieses Harmoniegesetz beruht auf der Teilung einer Linie in zwei ungleiche Teile, von denen sich der kleinere Teil (c) zum größeren (b) so verhält wie der größere zur Summe der beiden Teile (a), also der gesamten Linie: a : b = b : c (vgl. Hagenmaier 1990: „Harmoniegesetz“).
Auch in der Typografie finden sich viele Anwendungsmöglichkeiten für den Goldenen Schnitt. Als erstes wären die Seitenproportionen des Papierformats zu nennen. Gute Beispiele finden Sie bei Buchformaten (z. B. die Sammlung Metzler). Auch das Verhältnis der Ränder kann im Goldenen Schnitt erfolgen (oben 3 Teile, unten 5 Teile); dazu das Verhältnis von Satzspiegel und Papierfläche. Außerdem kann die Schriftgröße für Textteile unterschiedlichen Grades nach dem Goldenen Schnitt aufeinander abgestimmt werden, z. B. Vorspann 14 Punkt, folgender Fließtext 9 Punkt (aufgerundet). Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Stärke von zusammengesetzten Schmuck- und Umrandungslinien, bei ersteren außerdem noch die Länge der Linien. Und schließlich sorgt der Goldene Schnitt in der Kalligrafie für harmonische Buchstabenproportionen, wenn das Verhältnis von Mittellänge und Ober-/Unterlänge 5 : 3 beträgt.
Anhand der obigen Liste mit Verhältniszahlen lassen sich für jede beliebige Maßeinheit die Werte im Goldenen Schnitt ermitteln (natürlich darf bei Bedarf auf- oder abgerundet werden).

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